Die Antwort kennt nur der Wind

Von Peter Sims
13 Sep 2011

Windkraft ist ein junger und wachsender Industriezweig. Gleichzeitig nehmen jedoch die Proteste von Anwohnern zu, die sich durch Lärm belästigt fühlen – und zwar in erstaunlich spezifischen Situationen.


Lärmüberwachung | Neuigkeiten


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Windpark Achany im schottischen Hochland. Mit freundlicher Genehmigung von Graeme Smith
Zwar ist Windkraft nichts Neues, doch ihre Nutzung im Industriemaßstab ist ein recht modernes Phänomen, und wie bei den meisten großen technologischen Entwicklungen haben wir Menschen uns schnell an sie gewöhnt. Trotzdem ist Windenergie weiterhin ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Energieentwicklungsunternehmen wollen die alternative Energiegewinnung ausweiten, während Gruppen besorgter Bürger sich dagegen sträuben, wobei sie übermäßigen Lärm der Turbinen als eines ihrer Hauptargumente nennen.

Ein wiederkehrendes Thema

In den Nachrichtenmedien werden häufig die neuesten Einwände betroffener Anwohner zu geplanten oder vorhandenen Turbinenanlagen dokumentiert. Im Juni wurde es als historische Entscheidung gewertet, dass eine Anlage im schottischen Hochland durch die Gemeindeverwaltung zum Schließen gezwungen wurde, weil es zwei Beschwerden gegeben hatte. Auch wenn die Schließung nur vorübergehend war und nach vier Tagen wieder aufgehoben wurde, war sie eine Reaktion auf die Beschwerden von lediglich zwei Einwohnern, die über Belästigungen unter ganz bestimmten Bedingungen klagten. Bezeichnenderweise ist dies kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines allgemeinen Trends, der überall auf der Welt zu beobachten ist.


„Wenn wir die die von den Windturbinen erzeugten Schwingungen und Geräusche sorgfältig überwachen, sind wir gut gerüstet, ihre Wirkung auf Menschen zu minimieren.
In Ontario, Kanada, scheint eine ‘Windyleaks’-Kampagne einen Sturm entfesselt zu haben, nachdem in einer internen Mitteilung ein hoher Beamter einer Umweltbehörde die Meinung vertrat, dass die in Kanada geltenden, weltweit strengsten Lärmgrenzwerte für Windturbinen in der Praxis noch zu hoch sind. Hier wurde die Neuigkeit als politische Waffe eingesetzt, mit der man die Regierung bei kommenden Wahlen zu schlagen hofft – was die emotionale Schlagkraft der Problematik beweist. In Australien, den USA und weiteren Ländern sprechen Ärzte inzwischen von einem ‘Windturbinensyndrom’ – nachdem sie Patienten behandelt haben, die sich durch die Geräusche nahegelegener Turbinen beeinträchtigt fühlen.

Entwicklung in einer jungen Branche

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Natürlich handelt es sich um ein relativ neues Gebiet, das sich ständig weiterentwickelt. Neue Untersuchungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Hersteller entfalten sich ständig in dieser jungen Branche. Beispielsweise war im Juli letzten Jahres von einer bahnbrechenden neuen Turbinenkonstruktion die Rede, die das Potenzial besitzen soll, die Energiegewinnungskapazität zu revolutionieren. Japanische Forscher konnten anscheinend einen radikalen Anstieg der Rotorblattdrehzahl erzielen, indem sie einfach einen ‘Ring’ um den Umfang der Blätter gelegt haben. Auch wenn es sich dabei um ein noch unerprobtes Konzept im Frühstadium handelt, spiegelt es die Jugendlichkeit der Branche wider.


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In diesem Sinne wurde in diesem Jahr ein besonderes Forschungszentrum in Kanada gegründet. Hier wurde das erste Kompetenzzentrum für Wind- und erneuerbare Energie (WRECE) im Zentrum für technische Innovation eingerichtet. In Verbindung damit lieferte Brüel & Kjær Forschungsausrüstung für 1,4 Mio. Dollar an die Noise Vibration and Harshness-Sound Quality Group (NVH-SQ) der Universität von Windsor. Der Leiter des WRECE, Professor Colin Novak, leitete im Sommer den ersten Studiengang.




Forschung und Technologie halten die Antworten bereit

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Professor Colin Novak

Professor Novak zufolge sind Windturbinen ein Teil der heutigen Landschaft und eine wichtige Energiequelle der Zukunft. Deshalb ist die laufende Forschung zu Lärm, Schwingungen und Effizienz von großer Bedeutung.

„Wenn wir die von den Windturbinen erzeugten Schwingungen und Geräusche sorgfältig überwachen, sind wir gut gerüstet, ihre Wirkung auf Menschen zu minimieren. Windkraft ist eine Technologie in ständiger Entwicklung, die für das Leben aller Menschen von Bedeutung sein wird – nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern in der ganzen Welt.“

Professor Novak fügt hinzu, dass die Forschung sich auch detailliert mit den Getrieben und Rotorblättern der Turbinen beschäftigen wird. „Das sind sehr große Strukturen mit Getrieben, die so groß wie Autos sind“, sagt er. „Wir suchen nach Wegen, um die Bedingungen im Innern dieser Getriebe zu überwachen, mit dem Ziel, sie effizienter zu gestalten. Es ist auch wichtig, Effizienzpotenziale in der Form und Funktion der Turbinentürme und Rotorblätter zu erschließen.“

Der Teufel steckt im Detail

Das Erstaunliche in der Branche ist im Augenblick, dass es so wenig detaillierte Überwachung der Lärmpegel gibt, wobei das gemeinschaftliche Engagement zu fehlen scheint. Gemeinsam für viele öffentliche – unter anderem alle oben genannten – Beschwerden ist, dass die Probleme in ganz bestimmten Situationen auftreten. Dies erfordert eine differenziertere Betrachtungsweise der Schallpegel unter verschiedenen Bedingungen, zum Beispiel nachts oder bei verschiedenen Wetterlagen, anstatt alles über einen Kamm zu scheren und auf einem absoluten und universellen Grenzwert in Dezibel zu beharren.


„Ich kann nicht verstehen, warum an großen Windkraftanlagen keine permanente Lärmüberwachung erfolgt. Der Austausch unparteiischer Geräuschdaten, die an Windparks eingesammelt werden, könnte eine Möglichkeit darstellen, die Kluft zwischen den Gruppen auf beiden Seiten dieser Problematik zu überbrücken“

Im oben erwähnten Fall in Ontario drehte sich die Diskussion um den Mindestabstand zwischen den Turbinen und den nächstgelegenen Häusern, der dem leitenden Ministerialbeamten Cameron Hall zufolge auf der Annahme beruhte, dass die erzeugte „Schallverschmutzung“ keinen “tonalen oder zyklisch variierenden Charakter“ besitzt. In Schottland dagegen konzentrierten sich die Beschwerden der Anwohner lediglich auf bestimmte Zeiträume, während in Australien über die ungenügende Berücksichtigung des kurzen Abstands zwischen Turbinen und Wohnhäusern geklagt wurde.

Das sich daraus ergebende Bild zeigt, dass es notwendig ist, die Zonen, in denen Menschen und Windturbinen aufeinander treffen, besser zu verstehen und gründlicher zu überwachen. Berücksichtigt werden müssen auch die vielen Variablen vor Ort, wenn man emotionale Reaktionen aus der Öffentlichkeit vermeiden will. Es ist keine Bagatelle, dass die Londoner Zweigstelle des Instituts für Akustik eine Präsentation mit dem Titel „Ruhestörung: Windparks und Windturbinen“ veröffentlichte, in der die Autoren „dringend empfehlen, dass die Untersuchung von Lärmbeschwerden in Verbindung mit großen Windturbinen eine detaillierte Beurteilung der Wettersituation enthalten sollte.“




Offenheit und öffentliche Anhörung

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Noise-Sentinel-Systeme von Brüel & Kjaer mildern die Problematik einer besorgten Öffentlichkeit an großen Flughäfen in aller Welt

Ebenso wichtig sind jedoch effektive öffentliche Anhörungen und ein offener Informationsaustausch – um die Reaktionen der Öffentlichkeit abzumildern oder manchen Beschwerden vorzubeugen. In der Präsentation des Instituts für Akustik heißt es weiter: „Wenn der Betreiber eines Windparks schallpegelbasierte Informationen erhält, kann er auf die erstmalige oder informelle Kontaktaufnahme durch eine Kommunalbehörde schnell auf eine Weise reagieren, die hilfreich und kooperativ ist und mit der sich Lärmprobleme manchmal schneller lösen lassen als mit der formellen Verfahrensweise nach den geltenden Lärmvorschriften.“

Die Technologie zum Einsammeln dieser Daten steht zur Verfügung und wird seit langem zur Überwachung von Fluglärm in der Umgebung von Flughäfen verwendet. Ein Beispiel für eine solche Technologie ist das Noise Sentinel-System von Brüel & Kjær, bei dem „Lärmwächter“ an den Grundstücksgrenzen der Windkraftanlage oder auch an benachbarten Wohngebäuden angebracht werden können. Diese Überwachungsgeräte protokollieren kontinuierlich die Geräuschpegel sowie alle Wetterparameter, so dass sich die Daten korrelieren lassen. Außerdem können Alarmschwellen programmiert werden, so dass bei Überschreiten einer Geräuschvorgabe eine Mitteilung an den Betreiber gesendet wird, der gezielt darauf reagieren kann. Einer der wesentlichsten Vorteile des Systems ist zweifellos, dass die Daten ins Internet gestellt werden können, wo alle sie sehen und sich informieren können.

Es scheint, dass die Windkraftindustrie auf technologischen Bedarf dieser Art bisher nur zögernd reagiert, so wie es bei der Luft- und Raumfahrtindustrie der Fall war, wo es einige Zeit dauerte, die umfassenden Lärmkontrollen einzuführen, wie sie heute der Fall sind. Sicher ist jedoch, dass die negativen Auswirkungen von Beschwerden durch betroffene Anwohner nicht ausbleiben werden und eine erfolgreiche Handhabung der Beschwerden deshalb äußerst wichtig ist.

Mit Dank an Professor Colin Novak.


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