Endstation für den Typ 2260 Investigator

Von Peter Sims
22 Feb 2011

Im Februar 2011 gab es einen Augenblick der Wehmut, als der letzte Schallpegelmesser Typ 2260 Investigator™ mit seinem unverwechselbaren Aussehen die Fertigungslinie bei Brüel & Kjær verließ. Hier ist seine Geschichte vom Beginn bis zum Abgang.


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Nach fast 17 Jahren treuer Dienste, unter anderem mit Auftritten im Weltraum und im BBC-Fernsehen, ist der „Investigator" am Ende seiner Laufbahn angelangt. Die Lagerbestände mit den charakteristischen Gummitasten wurden geleert und durch Schallpegelmesser der neuen Generation Typ 2250/2270 ersetzt. Als Nachruf für den Investigator und Gruß an seine Nachfolger möchten wir an dieser Stelle auf die stürmische Entwicklung in Verbindung mit dem einzigartigen Design zurückblicken und den von ihm verkörperten technologischen Fortschritt würdigen.

Entwicklung

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Typ 2231 – der Vorgänger des 2260
Der Investigator wurde in einer für Brüel & Kjær schwierigen Zeit konzipiert, die einem Eigentümerwechsel folgte und von einer Änderung der Unternehmenskultur begleitet war. Deshalb wählte man, als Anfang der 1990er Jahre der ältere Schallpegelmesser Typ 2231 abgelöst werden sollte, eine neue Vorgehensweise. Bisher waren Schallpegelmesser der Spitzenklasse von einem kleinen Team engagierter Ingenieure und Techniker entwickelt worden, die Experten für alle konstruktiven und gestalterischen Aspekte waren, einschließlich Marktuntersuchung, Standardisierung, Applikationen, Hardware und Software – mit einem Projektmanager, Peter Hedegaard, der Kompetenzen auf allen diesen Gebieten besaß.


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Der Typ 2260 Investigator brachte eine bahnbrechende Kombination von Portabilität und Funktionalität
Das neuartige Konzept von Hedegaard bestand darin, das beschleunigte Tempo der technologischen Entwicklung auszunutzen, um in puncto Modularität, Rechenleistung und einfacher Handhabung neue Höhen zu erreichen. Um seine Vision zu verwirklichen, stellte er ein großes Konstruktionsteam zusammen. In das Projekt wurden erfahrene Mitarbeiter aus vielen Teams einbezogen, die jeweils für einen bestimmten Bereich verantwortlich waren und alle dem Investigator ihren Stempel aufdrückten.

Bei den Teambesprechungen gingen die Wogen der Emotionen hoch, mit dem Resultat, dass das Management des Projekts mehrmals wechselte, doch schließlich gelang es, die verschiedenen roten Fäden in einem zusammenhängenden Paket zu vereinen. Der Industriedesigner Steve McGugan, der am Typ 2236 mitgewirkt hatte, wurde damit beauftragt, die optimale Form des neuen Modells zu gestalten, um seine Störwirkung auf das Schallfeld zu begrenzen.

Technologie

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Die Konstrukteure strebten danach, den vorhandenen Platz optimal auszunutzen
Das Ergebnis des Tauziehens war eine Palette einzigartiger und marktführender Leistungsmerkmale. Anders als seine Vorgänger digitalisierte der Investigator alle Signale am Messgeräteeingang und gestattete damit die gleichzeitige Messung aller wichtigen Zeit- und Frequenzbewertungen sowie die gleichzeitige Messung von Spektren in Oktav- und Terzbändern. Diese Funktion wurde unter der Bezeichnung „Multi-D" vermarktet – wobei das „D" für „dimensional" stand. Bei früheren Schallpegelmessern gab es nur einen Detektor, für den man die Zeit- und Frequenzbewertung wählen musste, einen Spitzenwertdetektor und die serielle Analyse von Spektren. Unterdessen kümmerte sich beim Investigator ein universeller Mikroprozessor um alle anderen Funktionen wie den Betrieb der menügesteuerten Benutzeroberfläche mit ihrem digitalen LCD-Display – ganz im Einklang mit dem Niveau der 1990er Jahre.

„Die NASA nahm den Investigator in den Orbit mit, um den Schallpegel in der Internationalen Raumstation zu messen“
Ebenfalls im Zuge der Zeit lief die CPU auf einem DOS-System mit niedriger Leistung, das eine PC-ähnliche Datenverwaltung wie bei den damals beliebten Palmtop-Computern und die Datenübertragung zu spezieller PC-Software unter Windows® für die Berichterstellung ermöglichte. Dies und die Fähigkeit zum Protokollieren von Ereignissen auf einer großen und zuverlässigen internen CF-Karte machten den Investigator zu einem echten „Werkzeugkasten". Plötzlich konnte man alle Bewertungen gleichzeitig messen und riskierte nicht mehr, bei der Rückkehr ins Büro zu entdecken, dass man für die Messung die falsche Bewertung eingestellt hatte.


Neben der bahnbrechende Echtzeitanalyse ermöglichte die neue Zweikanal-Architektur, dass der Investigator einen breiten Dynamikbereich in einer Stapelkonfiguration liefern oder die beiden Kanäle für Schallintensitäts- und bauakustische Messungen verwenden konnte – was vielfältige Anwendungsmöglichkeiten eröffnete. Nun konnte man mit dem weltweit ersten handgehaltenen Schallintensitätssystem die Schallrichtung und Schallleistung berechnen.

Zukunftssicherung

Das exponentielle Wachstum des technologischen Fortschritts hatte nicht nur den Wettlauf bei der Entwicklung neuer Messgeräte intensiviert, sondern auch Brüel & Kjær vor eine neue Herausforderung gestellt – moderne Software zu entwickeln. Wie bei technologischen Entwicklungen üblich, bestand ein enormer Druck, den Investigator rasch auf den Markt zu bringen. Deshalb wurden die ersten Modelle nur mit einer Basis-Analysesoftware geliefert. Die Idee bestand darin, dass man später Softwaremodule nach Bedarf hinzufügen konnte (wenn sie entwickelt und erhältlich waren) – während den Kunden in der Zwischenzeit ein voll funktionsfähiger Schallpegelmesser der Klasse 1 zur Verfügung stand, der durch die spätere Anschaffung weiterer Module ausbaufähig war.

Der hohe Investitionsaufwand für die Softwareentwicklung kam als eine Überraschung – in Wirklichkeit war dies ein unumgängliches Signal, das das Zeitalter der Software ankündigte. Tatsächlich wurde die volle Stärke des Investigator-Designs erst erkannt, als die Programmierer mit der Entwicklung neuer Module begannen und herausfanden, dass sie seine Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit in unerwartet hohem Maße steigern konnten.


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Module wurden auf CF-Karten geliefert
Alle Module waren als Software-Downloads erhältlich (in den ersten Jahren auf CF-Karten), die man einfach zu den vorhandenen hinzufügen konnte, da im integrierten Speicher genügend Platz für alle Anwendungen vorhanden war. Dank des gleichzeitigen, multidimensionalen (Multi-D) Multitaskings nahm die Vielseitigkeit des Investigators mit der Einführung jeder neuen Software zu. Als 2001 das letzte neue Modul auf den Markt kam, zählten Lärmprofile, Bauakustik, Raumakustik, Schallintensität und schließlich FFT-Analyse zu den Anwendungen.

Auch die Zukunft wird älter

Trotz seiner drastisch verbesserten Benutzeroberfläche fehlte dem Typ 2260 der letzte Schritt zur modernen intuitiven Intelligenz, die Schallpegelmesser von heute auszeichnet. Der von einem seiner eifrigsten Verfechter als „schroff und streng" beschriebene Investigator war ein sehr leistungsfähiges Werkzeug – bezogen auf die Komplexität seiner Funktionen. Sein aus der Perspektive hochqualifizierter Ingenieure entwickeltes Design nahm weniger Rücksicht auf den Anwender, denn die damalige allgemeine Haltung in der Branche lässt sich eher mit „Das kann das Produkt – wenden Sie es an" als „Wie können wir Ihnen helfen, Ihre Aufgaben zu lösen?" beschreiben.


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Der Typ 2260 Investigator überprüft Schallpegel in der Internationalen Raumstation. Foto mit freundlicher Genehmigung der NASA.
Schließlich kam mit dem Internet- und Smartphone-Zeitalter die benutzerzentrierte Revolution und machte allen klar, was echte Benutzerfreundlichkeit bedeutet. Als um die Jahrhundertwende ein Nachfolger entwickelt werden sollte, wurde daher ein Ansatz mit einem „leeren Blatt" als Ausgangspunkt gewählt, der bei den Überlegungen zum Design die Anforderungen der Benutzer an die erste Stelle setzte. Der verbesserte Befragungs- und Beratungsprozess mit dem Beinamen „Bastlerprojekt" führte zum preisgekrönten Typ 2250 und später zum wahren Erben des Investigators – Typ 2270 – der heute das Feld der High-End-Schallpegelmesser anführt.

Fakten

  • Der Investigator wurde im Mai 1994 auf den Markt gebracht
     
  • Es wurden mehr als 7000 Exemplare des Typ 2260 Investigator hergestellt

  • Er trat 2003 im Programm „Fame Academy" des BBC auf, um die Frequenz der Stimme von Paris Campbell-Edwards zu messen – die bei 1,775 kHz lag. Moderatorin Claudia Winkleman sagte bei dieser Gelegenheit über den Investigator: „Das ist eine seltsame Maschine, bitte verlangen Sie nicht, dass ich sie erklären soll – sie hat eine sehr dicke Bedienungsanleitung."

  • Der Investigator hatte eine optische Schnittstelle, die ihn zukunftssicher machen sollte, jedoch nie zur Anwendung kam

  • Der Investigator war der erste und letzte Schallpegelmesser von Brüel & Kjær, der einen eigenen Namen hatte
     
  • Sein unmittelbarer Nachfolger, Typ 2250, gewann 2004 den dänischen Designpreis und den deutschen „red dot design award: product design 2005"

  • Sein Vorgänger, Typ 2231, besaß externe Module zum Umprogrammieren für verschiedene Anwendungen

  • Die NASA nahm den Investigator in den Orbit mit, um den Schallpegel in der Internationalen Raumstation zu messen



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