Aufbau von Umweltkapazität – der moderne Zugang zum Bergbau
Von Peter Sims und Phil Stollery
07 Mar 2011
Bei Problemen der Lärmbelästigung an Standorten der Bergbauindustrie kann man heute von intelligenter Lärmüberwachung an Flughäfen profitieren, die eine völlig neue Betrachtungsweise ins Bild bringt.
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Lärmmanagement | Neuigkeiten
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Umweltkapazität – ein Konzept unserer Zeit
In unserem umweltbewussten Zeitalter werden Industriezweige wie der Bergbau stärkeren Restriktionen als je zuvor ausgesetzt. Während Ortschaften in der Nähe von Bergwerken sich ausbreiten und die Ansprüche ihrer Bewohner steigen, muss der Umgebungslärm strenge Grenzwerte einhalten. Häufig liegen diese nur 5 dB über dem Hintergrundpegel, so dass wenig Spielraum für den weiteren Ausbau bleibt.
Ein Beispiel – Bergbau in Australien
In Australien ist der Bergbau ein wichtiger Industriezweig mit wesentlichen Auswirkungen auf die Umwelt, da gegenwärtig insgesamt 328 Bergwerke in Betrieb sind. Viele davon liegen natürlich in sehr schwach besiedelten Gebieten und verursachen deshalb nur geringfügige oder keine Lärmprobleme. Größere Bergwerke brauchen jedoch mehr Personal, das in der Nähe wohnt, und die Toleranz großer Gemeinwesen gegenüber Bergwerkslärm ist unterschiedlich ausgeprägt. Es geht nicht nur um den Schallpegel, sondern darum, wie er von den Menschen wahrgenommen wird. Viele betrachten die Geräusche nicht als Problem, während andere sich extrem belästigt fühlen. Die Komplexität der Belästigungsproblematik fordert intelligente Lösungen.
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Der Geschäftsbereich für Umweltmanagementlösungen bei Brüel & Kjær beschäftigt sich seit 20 Jahren mit intelligenter Lärmüberwachung an Flughäfen und der Entwicklung von technologischen Lösungen für Lärmmanagementsysteme. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen betrachtet Brüel & Kjær das Konzept vom Aufbau einer ‘Umweltkapazität’ als den besten Weg, die vielseitigen Facetten eines dauerhaften Lärmmanagements einzubeziehen und zu erläutern.
Umweltkapazität
| „Die von Flughäfen seit Jahren praktizierte Optimierung der Geräuschemission ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit“ |
Die Expertengruppe für wissenschaftliche Aspekte des Meeresumweltschutzes definiert Umweltkapazität als „eine Eigenschaft der Umwelt und ihre Fähigkeit, eine bestimmte Aktivität oder Häufigkeit einer Aktivität ... ohne nicht akzeptable Auswirkungen verkraften zu können." Im weitesten Sinne und bezogen auf Lärmmanagement ist darunter die Bereitschaft des örtlichen Gemeinwesens zu verstehen, zu verschiedenen Zeiten bestimmte Schallpegel zu akzeptieren – die Wirklichkeit sieht jedoch weitaus differenzierter aus.
Umweltkapazität wird nicht von außen durchgesetzt wie Gesetze oder Grenzwerte, sondern ist die Gesamtheit der Variablen, die die Grenzen für Veränderungen definieren – eine Vollmacht, die vom örtlichen Gemeinwesen erteilt wird. Anstatt Lärmmanagement lediglich auf die Einhaltung von Grenzwerten und die Reaktion auf Beschwerden zu beziehen, werden Unternehmen durch die neue Denkweise dazu angeregt, darauf zu fokussieren, was innerhalb der Toleranzgrenzen des Gemeinwesens durchführbar ist. Das betrifft insbesondere den Aufbau von Umweltkapazitätsreserven, die Veränderungen erleichtern und damit das Wachstum von Unternehmen ermöglichen.
Wie lässt sich die Umweltkapazität vergrößern?
Aus der Sicht eines Bergwerkbetreibers ist der entscheidende Punkt, dass Umweltkapazität keine feste Größe ist, sondern verbessert und aufgestockt werden kann. Deshalb ist es sehr wichtig, durch Transparenz und öffentliches Engagement die Wahrnehmung des Unternehmens durch Außenstehende zu verbessern, so dass die Bevölkerung eher bereit ist, Änderungen zu akzeptieren. In der Luftfahrtindustrie hat sich ein zweispuriger Ansatz bewährt, bei dem die Verminderung der Umweltauswirkungen auf der einen Seite der Gleichung steht und Toleranzaufbau auf der anderen, wie die Grafik zeigt.
Intelligente Technologie
Die Zeiten sind vorbei, in denen man auf Beschwerden lediglich mit Stichprobenmessungen mit einem handgehaltenen Schallpegelmesser und begrenzten methodischen Verständnis reagierte. Auch die unbeaufsichtigte Lärmüberwachung ist längst passé, bei der Fachleute die Datenhistorik interpretieren mussten, um ungültige Ereignisse wie z.B. Hundegebell in der Nähe des Mikrofons auszuschließen. Heute können Bergwerkbetreiber mit Internetlinks die Geräusche vom Büro aus überwachen, aufzeichnen, abspielen und exakt lokalisieren – wobei sie die Hauptarbeit einer darauf spezialisierten Firma überlassen.
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Mit gründlicheren Analysen können Verbesserungen an Maschinen und Maßnahmen wie Lärmschutzwände sofort beurteilt werden. Durch schnelle Rückberechnung bei Änderungen betrieblicher Praktiken können detaillierte 3D-Karten der Lärmemission erstellt werden, die die aktuellen Aktivitäten im Umkreis des Bergwerks widerspiegeln. Daraus resultiert eine jederzeit gesicherte Einhaltung der zulässigen Schallpegel, die dem Betreiber gestattet, seine Betriebsabläufe anzupassen und dort, wo es möglich ist, bis dicht an die Grenze zu gehen. Die von Flughäfen seit Jahren praktizierte Optimierung der Geräuschemission, für die sich auch die Windkraftindustrie in zunehmendem Maße interessiert, ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit – doch gleichzeitig muss man den umliegenden Gemeinden gegenüber sehr hellhörig sein.
Engagement
Kritisch betrachtet ist Engagement nicht einfach ein Euphemismus für Überzeugungsarbeit gegenüber Interessengruppen, sondern ein ehrlicher Versuch, diese aktiv einzubeziehen. Für Anwohner ist es ein riesiger Unterschied, ob Sprengungen aus heiterem Himmel kommen oder ob man vorher weiß, dass sie um 15:00 Uhr beginnen und um 15:15 Uhr wieder aufhören. Die Toleranz gut informierter Menschen ist wesentlich größer als die von Menschen, die unerwartetem Lärm ausgesetzt werden. Genauso wie man mit öffentlichen Reaktionen auf Verbrechen versucht, die Furcht vor dem Unbekannten durch Aufklärung zu überwinden, können gründliche Informationen über ungewöhnliche Ereignisse Ärger und feindselige Reaktionen abschwächen.
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| Bild vergrößern | | Über Webforen können örtliche Interessengruppen Informationen zu stattgefundenen, aktuellen und künftigen Geräuschereignissen erhalten |
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Mit Hilfe des Internets stehen den Anwohnern Informationen zu lauten Aktivitäten über Überwachungsstationen in Echtzeit zur Verfügung. Über Webforen – meist integrierter Bestandteil der Website des Bergwerkbetreibers – haben interessierte Bürger unmittelbaren Zugang zu denselben Informationen wie der verantwortliche Leiter. Dies fördert nicht nur die Transparenz, sondern bringt weitere Vorteile: Der Betreiber kann durch rechtzeitige Bekanntgabe lauter Aktivitäten Beschwerden vorbeugen, die Einhaltung von Vorschriften wird nachgewiesen und man kann einzelne Lärmereignisse identifizieren und abspielen.
Engagement unterscheidet sich von der bloßen Information dadurch, dass es eine greifbare Einbindung erfordert, und beschränkt sich daher nicht auf Webportale, sondern umfasst Bürgergruppen und Besucherzentren. Solche Initiativen fördern einen zweiseitigen Dialog, bei dem die Bürger dazulernen und dem Bergbaubetreiber entscheidendes Feedback liefern.
Gesunder Geschäftssinn
Umweltkapazität neigt dazu, mit der Zeit abgebaut zu werden. Deshalb können Bergbaubetreiber nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und mit dem Status quo fortsetzen – dann werden ihre Begrenzungen nämlich zunehmen. Wenn man sich nicht aktiv um sie bemüht, kann Umweltkapazität leicht zum Hauptbegrenzungsfaktor für das Wachstum von Unternehmen werden. Letztlich erweist sich der Wechsel von externen Methoden auf der Grundlage von Rechtsvorschriften zu Initiativen auf der Basis von proaktivem Engagement als der cleverste Weg nach vorn. Zunehmende Toleranz seitens des Gemeinwesens bei gleichzeitiger Minimierung der Lärmeinwirkung ergibt den größtmöglichen Handlungsspielraum und ermöglicht gesundes Wachstum und wichtige Veränderungen.
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