Michelin Challenge Bibendum 2010

Autoren: Bert Van Amerongen, Spezialist für Prüfsysteme, Brüel & Kjær
mit besonderem Dank an Challenge Bibendum, Manufacture Française des Pneumatiques Michelin
01 Jul 2010

Vorbeifahrtgeräusche als Ranking-Kriterium für energieeffiziente Fahrzeuge


Automobilindustrie | Neuigkeiten

10. Challenge Bibendum

"Nachhaltige Mobilität ist eine enorme Herausforderung, die keinen Aufschub duldet"
Brasiliens Staatspräsident Lula

Beim 10. Michelin Challenge Bibendum, das dieses Jahr vom 31. Mai bis 3. Juni in Rio de Janeiro in Brasilien stattfand, war Brüel & Kjær erneut mit der Durchführung der Vorbeifahrtmessungen beauftragt worden.

Das Challenge Bibendum ist ein Forum, auf dem Akteure im Bereich der nachhaltigen Mobilität Neuigkeiten vorstellen und Meinungen zu den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und technischen Aspekten dieser äußerst aktuellen Thematik austauschen. Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor ist auf dem Event vertreten, bei dem man sich trifft, um die Problemstellungen zu diskutieren und Lösungsmöglichkeiten gegeneinander abzuwägen.

Wissenschaftler, Akademiker, Ingenieure, Automobilhersteller und politische Akteure diskutierten ihre Standpunkte bei mehr als dreißig Rundtischgesprächen, Seminaren, Konferenzen und Debatten, die von 450 Journalisten der internationalen Presse zum großen Teil verfolgt wurden. Bei der Eröffnungsfeier bezeichnete der brasilianische Staatspräsident Lula die nachhaltige Mobilität als „enorme Herausforderung, die keinen Aufschub duldet“, bevor er sich bei Michel Rollier, Mitgeschäftsführer der Michelin Gruppe, dafür bedankte, dass Lateinamerika als Gastgeber des Events ausgewählt wurde, der der einzige seiner Art ist.

Die innovativsten Technologien und Fahrzeuge

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Audi e-Tron beim „Auftanken“ mit Strom. Mit einem 80 PS-Elektromotor an jedem Rad beschleunigt der e-Tron in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Hersteller sahen zu, wie ihre innovativsten Fahrzeuge bei technischen Straßentests auf Herz und Nieren geprüft wurden: Elektro-PKWs, Hybrid-LKWs, Raupenbusse… Einige der Fahrzeuge sind bereits auf dem Markt – andere wie der Audi e-Tron befinden sich noch in der Konzeptphase. Je drei Rallyes für drei Fahrzeugkategorien boten die Gelegenheit zum Wettbewerb in einer Reihe von Tests wie Beschleunigung, Manövrierfähigkeit, CO2-Ausstoß, Treibstoffeffizienz und natürlich Umweltgeräusche.

Brüel & Kjær nahm zum ersten Mal 2006 in Paris an der Veranstaltung teil. Die Organisatoren waren von der Qualität, Schnelligkeit und Vielseitigkeit des Vorbeifahrtsystems beeindruckt, das an Ort und Stelle Messergebnisse gemäß ISO liefert. Der gute Eindruck hat in wiederholten Einladungen zu den folgenden Veranstaltungen resultiert.

Rio Challenge

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Im Gegensatz zu anderen Austragungsorten des Challenge Bibendum verfügt Rio über keine Teststrecke. Deshalb erfolgten alle Vorbeifahrtmessungen an öffentlich zugänglichen Orten – entweder auf der Straße oder auf einem Parkplatz. Die Messungen an sich waren nicht besonders kompliziert, doch die Aufgabe entbehrte nicht der Spannung, da sich die beiden Prüfstrecken an den entgegengesetzten Enden der Stadt befanden. Die Fahrzeit zwischen ihnen war nur wenig kürzer als die Zeit zwischen den Testserien. Glücklicherweise sind die Ab- und Aufbauzeiten für das Vorbeifahrtsystem minimal, weil es komplett mit Kabeltrommel ausgestattet ist.

Heulen und durchdrehende Räder

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An der ersten Teststrecke sollte das Vorbeifahrtgeräusch der Fahrzeuge bei kräftiger Beschleunigung gemessen werden. Dazu wurden die Fahrzeuge aus dem Stand mit Vollgas (oder äquivalent bei Elektrofahrzeugen) beschleunigt, bis sie an dem Mikrofonpaar vorbeigefahren waren, das in 20m Entfernung am Straßenrand aufgestellt war. Mit dem Vorbeifahrtsystem Typ 7788 wurde der Schallpegel an diesem Punkt aufgezeichnet und unverzüglich an die Schiedsrichter weitergegeben – ein klarer Vorteil des Systems, da sehr viele Fahrzeuge teilnahmen und für Post-Processing keine Zeit zur Verfügung stand.

Interessanterweise gab es bei dieser Prüfstrategie zwei unerwartete Probleme, die bei Vorbeifahrtmessungen normalerweise nicht auftreten. Das erste betraf Elektroautos, insbesondere die leichten experimentellen Typen. Ihr Eigengeräusch war sehr schwach und das Einzige, was man wirklich hören konnte, waren das Reifengeräusch und das Heulen der Steuerelektronik. Auf der grünen Wiese wäre dies kein Problem, weil das Vorbeifahrtsystem bei dem niedrigen Hintergrundgeräusch das Fahrzeuggeräusch erkennen würde. Da jedoch zahlreiche Pressefotografen mit Begeisterung die neuen exotischen Fahrzeuge knipsten, bestand das Hintergrundgeräusch an dieser ersten Teststrecke zum großen Teil aus dem Klicken von Kameraverschlüssen, das in derselben Größenordnung wie das Fahrzeuggeräusch lag.

Andererseits waren einige der Fahrzeuge, wie der Audi e-Tron, so leistungsstark, dass das Geräusch 20m nach dem Start von durchdrehenden Rädern dominiert wurde, die Motor- und Auspuffgeräusche übertönten. Das gab dem Reifengeräusch eine ungewohnte Bedeutung.

Zwei Systeme

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Auf der zweiten Teststrecke verlief der Test etwas ruhiger, aber technisch anspruchsvoller. Hier mussten die Fahrzeuge die Strecke zwischen zwei im Abstand von 200m aufgestellten „Mikrofon-Toren“ zurücklegen. Auch hier wünschten die Veranstalter eine unmittelbare Dokumentation der Testergebnisse, um möglichst schnell Ranglisten der Fahrzeuge aufstellen zu können. Zu diesem Zweck wurden zwei Vorbeifahrtsysteme vom Typ 7788 aufgestellt. Hierfür stand nach der Eilfahrt von einem Ende der Stadt zum anderen nur wenig Zeit zur Verfügung.

Typ 7788 ist als „Plug-and-Play“ gestaltet, was in diesem Fall wörtlich zu verstehen war. Für Feinanpassungen war keine Zeit: Auspacken, Aufstellen, Kabel anschließen – und ab ging die Post. Wegen der kurzen Einrichtzeit konnte das Auto, von dem aus das Vorbeifahrtsystem bedient wurde, sogar als mobile Einsatzzentrale während der Tests dienen.

Die Zukunft

Die vielen Zuschauer bei der Fahrzeugparade im Zentrum von Rio nicht mitgerechnet, hatte das 10. Challenge Bibendum mehr als 6000 Besucher. Vielleicht waren unter den 1500 brasilianischen Studenten künftige Ingenieure, die mit dabei sein werden, das saubere, sichere und vernetzte Auto von morgen zu erfinden.

Für Brüel & Kjær war es eine Auszeichnung, als globaler Marktführer für Vorbeifahrtmessungen ein weiteres Mal an diesem Event teilzunehmen und damit zur Entwicklung moderner Technologien beitragen zu können, von denen wir alle in Zukunft profitieren werden. Wir rechnen auch fest mit unserer Teilnahme am nächsten Challenge Bibendum 2011 in Berlin.


Ein Peugeot als Teilnehmer am Challenge Bibendum



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